
Die Geschäftsreisebranche lehnt einen Vorschlag der US-Regierung deutlich ab, wonach ausländische Reisende künftig verpflichtet werden könnten, ihre Social-Media-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenzulegen. Laut einer im Vorfeld der Business Travel Show Europe veröffentlichten Umfrage unterstützen lediglich 2,5% der Geschäftsreise-Experten diese Maßnahme uneingeschränkt, während weitere 0,84% sie nur für Urlaubsreisende befürworten würden. Eine klare Mehrheit von 85% spricht sich grundsätzlich dagegen aus, wobei unter den Kritikern Uneinigkeit darüber besteht, ob die Regelung tatsächlich umgesetzt wird.
Die Studie zeigt zudem mögliche Auswirkungen auf Geschäftsreiseprogramme: 41,18% der befragten Unternehmen würden ihre Reisetätigkeit in die USA reduzieren, während 16,81% verstärkt auf Videokonferenzen ausweichen würden. Für 18,49% hätte die Maßnahme keine Auswirkungen. Damit könnte die Regelung nicht nur das Reiseaufkommen, sondern auch strategische Entscheidungen im Travel Management beeinflussen.
Zentrale Kritikpunkte sind Datenschutzbedenken und zusätzlicher administrativer Aufwand. Unternehmen befürchten eine weitere Belastung ihrer globalen Mobilitäts- und Travel-Management-Teams, da Geschäftsreisende bereits komplexe Visa-, Sicherheits- und Compliance-Anforderungen erfüllen müssen. Eine zusätzliche Offenlegung persönlicher Social-Media-Daten würde Prozesse weiter verkomplizieren und verlangsamen.
Auch in den USA stößt der Vorschlag auf Kritik. Die U.S. Travel Association fordert dessen vollständige Rücknahme. CEO Geoff Freeman argumentiert, es gebe keine Belege für einen Sicherheitsgewinn, während die Maßnahme Reisen unnötig erschwere. Die US-Grenzschutzbehörde CBP prüft derzeit rund 2.000 Stellungnahmen und erwägt, die Regelung abzuschwächen. Statt einer pauschalen Pflicht könnte ein gezielter Ansatz eingeführt werden, bei dem Umfang und Tiefe der abgefragten Daten von den Angaben im ESTA-Antrag abhängen.
Eine Umsetzung gilt frühestens Ende des Jahres als möglich, da ein weiteres Konsultationsverfahren geplant ist. Zusätzlich erwägt CBP, mehr familiäre Hintergrundinformationen abzufragen. Branchenvertreter warnen jedoch davor, Reisende aus Visa-Waiver-Ländern stärker zu belasten, da dies deren privilegierten Status untergraben würde.
Bild: Pixabay
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