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Nachhaltigkeit bei der Geschäftsreise: So reduzieren Airlines ihre CO₂-Emissionen

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Der Luftverkehr steht unter Druck, seinen Klima-Impact zu verbessern. Für Unternehmen, die regelmäßig Mitarbeiter auf Dienstreise schicken, ist das kein abstraktes Politikthema, sondern eine Frage der eigenen Nachhaltigkeits-Politik. Scope-3-Emissionen, zu denen auch Geschäftsflüge zählen, finden sich immer mehr in den ESG-Reports und werden von Investoren und Regulierenden genauer unter die Lupe genommen. Welche Maßnahmen Airlines heute konkret ergreifen und wie sich das auf Buchungsentscheidungen auswirken könnte, zeigt ein Blick auf aktuelle Entwicklungen.

Wie wirkt sich der Klima-Impact des Luftverkehrs aus?
Der Luftverkehr ist für rund 2,5 Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Berücksichtigt man die Nicht-CO₂-Effekte wie Kondensstreifen und Stickoxide, liegt der Klimaeinfluss schätzungsweise zwei bis viermal höher. Ein Transatlantikflug in der Economy Class bringt es für Geschäftsreisende damit auf gut 500 bis 600 Kilogramm CO₂-Äquivalente pro Person.

Wer beispielsweise mit Air France fliegen möchte, findet bei der französischen Airline auch gleich konkrete Maßnahmen zur CO₂-Reduktion. Air France, 1933 gegründet und Teil der Air France-KLM-Gruppe, wurde 2024 zur besten Airline in Westeuropa gewählt. Nachhaltigkeit hat sich die Airline auf die Fahnen geschrieben, sie veranstaltet die meisten ihrer Flüge vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle aus und investiert in treibstoffeffizientere Flugzeugmodelle.

Sustainable Aviation Fuel: Stand der Technik und Potenzial
Sustainable Aviation Fuel (SAF) gilt als eine der besten Ideen zur Dekarbonisierung des Luftverkehrs. SAF kann im Vergleich zu fossilem Kerosin die CO₂-Emissionen über den gesamten Lebensweg um bis zu 80 Prozent reduzieren, je nach verwendeten Rohstoffen und Produktionsweg.
SAF wird aus verschiedenen Quellen gewonnen: landwirtschaftlichen Reststoffen, Altspeisefett, Siedlungsabfällen oder künftig vermehrt aus synthetischem Kerosin auf Basis von grünem Wasserstoff und CO₂ mittels Power-to-Liquid-Verfahren. Die EU schreibt im Rahmen der ReFuelEU-Aviation-Verordnung schrittweise steigende Beimischungsquoten vor. Ab 2025 gelten zwei Prozent, ab 2030 sechs Prozent und bis 2050 sollen es 70 Prozent sein.

Der Preis ist allerdings der Haken: SAF kostet derzeit noch zwei bis fünf Mal so viel wie Kerosin. Daher setzen viele Airlines auf sogenannte Book-and-Claim-Systeme, bei denen Unternehmen SAF-Zertifikate erwerben können, ohne dass der Treibstoff tatsächlich im jeweiligen Flugzeug gelandet ist.

CO₂-Kompensation und Branchenstandards
Neben SAF bleibt die CO₂-Kompensation ein gängiges Mittel, auch wenn das in der Fachdebatte unterschiedlich gewichtet wird. Zertifizierungsstandards wie Gold Standard oder der Verified Carbon Standard definieren, welche Projekte tatsächlich klimawirksam sind. Entscheidendes Kriterium ist das Prinzip der Zusätzlichkeit: Ein Projekt muss nachweisen, dass ohne die Kompensationsmittel die CO₂-Einsparung nicht zustande käme.

Auf branchenweiter Ebene hat die ICAO mit dem CORSIA-Programm (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) einen globalen Rahmen geschaffen. Ab 2027 gilt CORSIA für alle teilnehmenden Staaten verpflichtend. Für europäische Airlines gilt zudem das EU-Emissionshandelssystem, das seit 2012 innereuropäische Flüge erfasst.

Was Unternehmen bei der Reiseplanung konkret tun können
Für Travel Manager und Nachhaltigkeitsbeauftragte bieten sich mehrere Stellschrauben an. Neuere Flugzeugmodelle wie der Airbus A350 oder die Boeing 787 verbrauchen bis zu 25 Prozent weniger Treibstoff als Vorgängertypen, sodass bei der Flottenwahl das Modell entscheidend wird. Dazu kommt die Klassenwahl: Business-Class-Sitze benötigen mehr Platz und somit einen höheren CO₂-Anteil pro Passagier. Direktverbindungen sind umweltfreundlicher als Umsteigeoptionen, weil Starts und Landungen überproportional hohe Emissionen verursachen.

Immer stärker kommen auch digitale Tools ins Spiel. Lösungen wie SAP Concur oder TripActions können CO₂-Werte gleich im Buchungsprozess ausweisen und so Entscheidungsgrundlagen schaffen, ohne den Buchungskomfort zu schmälern.
Bild: Pixabay