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In Saudi-Arabien ist es schwierig, offene Forderungen einzutreiben

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Wer in Saudi-Arabien Geschäfte macht, kann nicht davon ausgehen, pünktlich sein Geld zu bekommen. Im Allianz Trade Inkasso-Ranking bildet Saudi-Arabien das Schlusslicht, wenn es darum geht, Rechnungen zu bezahlen. Das ist das Ergebnis der 4. Ausgabe des Allianz Trade Inkasso-Rankings.

In einer immer stärker fragmentierten Welt, wird es für Exporteure immer schwieriger, unbezahlte Rechnungen einzutreiben. Die globale Komplexität des Inkassos liegt mit durchschnittlich 47,2 von 100 Punkten weiterhin auf einem „hohen“ Niveau und damit nur geringfügig unter dem Wert der dritten Ausgabe des Rankings im Jahr 2022 (49/100). Zu diesem Schluss kommt die vierte Ausgabe des Inkasso-Rankings[1] des Kreditversicherers Allianz Trade. In dieser Studie wird in einem Ranking die „Inkasso-Komplexität“ in 52 Volkswirtschaften bewertet, die insgesamt 90 % des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und Handels ausmachen.

Inkasso-Musterschüler: In Deutschland kommen Unternehmen am besten an ihr Geld
„Deutschland ist aktuell der Inkasso-Musterschüler, gefolgt von den Niederlanden und Portugal“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „In der letzten Ausgabe des Rankings lag Deutschland noch hinter Schweden auf Rang zwei, hat sich nun aber den Spitzenplatz gesichert. Deutsche Unternehmen gelten als besonders zuverlässig – das wird nun auch im Ranking attestiert. Dabei spielt auch das gute Zahlungsverhalten der hiesigen Unternehmen eine Rolle, aber auch zeitnahe und effiziente Entscheidungen der Gerichte. Das effizienteste Mittel zum Eintreiben von Forderungen sind allerdings professionelle vorgerichtliche Verhandlungen. Auch bestehende Eigentumsvorbehaltsrechte können die Position der Gläubiger in Insolvenzverfahren erheblich verbessern.“

Exportnation Deutschland: Im Ausland kann es haarig werden beim Eintreiben von Schulden
Am anderen Ende der Skala ist es in Saudi-Arabien, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) für Exporteure besonders schwierig, offene Forderungen einzutreiben. Bei den wichtigsten deutschen Handelspartnern ist die Inkasso-Komplexität in China (Platz 48; schwerwiegend: 66 Punkte), der Slowakei (Platz 45; sehr hoch: 59 P.) und Indien (Platz 44; sehr hoch: 57 P.) am höchsten.

„Das Eintreiben internationaler Schulden wird häufig unterschätzt“, sagt Bogaerts. „Dabei spielt das gerade in einer exportorientierten Wirtschaft wie Deutschland eine große, aber sehr unliebsame Rolle. Bei säumigen Zahlern ist es im Ausland oft nicht mit ein paar Mahnläufen getan. Das Verfahren kann vielerorts sehr aufwändig sein. In einigen Ländern kann es Monate oder Jahre dauern, bis die Unternehmen ihr Geld bekommen – wenn überhaupt. Vor allem im Mittleren Osten, Asien und Afrika kann es kompliziert werden.“

Im Risiko: 1,1 Billionen US-Dollar an offenen Handelsforderungen in sehr komplexen Ländern
Und genau dort sind nach Schätzungen von Allianz Trade viele Forderungen: Etwa 1,1 Billionen US-Dollar (USD) und damit fast die Hälfte der internationalen Handelsforderungen ist mit einem sehr hohen oder schwerwiegenden Inkasso-Risiko behaftet.

„Wir schätzen, dass fast die Hälfte (48 %) der internationalen Handelsforderungen in Ländern mit einer ’sehr hohen‘ (22 %) oder ’schwerwiegenden‘ (26 %) Komplexität liegen“, sagt Fabrice Desnos, Vorstandsmitglied von Allianz Trade, zuständig für Credit Intelligence, Rückversicherung und Bürgschaften. „Im Vergleich zu 2022 ist dies ein geringfügiger Anstieg (+1 Prozentpunkt), jedoch aufgrund des wachsenden globalen Handels ein deutlicher Anstieg des absoluten Wertes auf 1,1 Billionen US-Dollar. Insolvenzverfahren machen nach wie vor den Großteil der Komplexität beim Inkasso in allen Regionen aus. Insbesondere die lokalen Zahlungsgewohnheiten sind der Hauptgrund für die Komplexität des Inkassos im Nahen Osten.“

Globale Komplexität nimmt leicht ab, aber Inkassoverfahren bleiben große Herausforderung
Insgesamt ist das Inkasso für Unternehmen, insbesondere für Exporteure, sehr komplex angesichts der weltweit weiterhin hohen Zahl von Unternehmensinsolvenzen und der zunehmenden globalen Fragmentierung aufgrund sich verändernder Handelsmuster, volatiler protektionistischer Tendenzen, geopolitischer Spannungen und wachsender digitaler Risiken.

Das Ranking des Indexes hat vier Stufen der Komplexität: „gering“ (Wert unter 40), „hoch“ (zwischen 40 und 50), „sehr hoch“ (50 bis 60) und „schwerwiegend“ (über 60). Der weltweite Durchschnitt liegt geringfügig unter dem Wert der Ausgabe im Jahr 2022 (49/100). Gleichzeitig zeigt sich im Vergleich vor allem eine geringere Risikostreuung: Ein geringerer Anteil der Länder fällt nun unter die Kategorien „schwerwiegend“ (15 % gegenüber 16 % im Jahr 2022) und „sehr hoch“ (21 % gegenüber 29 %). Dafür haben inzwischen mehr Länder ein „hohes“ Risiko (29 % gegenüber 24 %) sowie ein „geringes“ (35 % gegenüber 31 %).

Schlusslichter: Schwierigste Schuldeneintreibung in Saudi-Arabien, Mexiko und den VAE
Gerichtliche Komplexitäten treten in Westeuropa weniger häufig auf als im Nahen Osten, in Afrika und Lateinamerika. Diese strukturellen Faktoren erklären, warum das internationale Inkasso weltweit nach wie vor ein schwieriger Prozess ist, besonders bei den Schlusslichtern im Ranking Saudi-Arabien, Mexiko und den VAE.

„Internationale Schuldeneintreibung ist in Saudi-Arabien fast dreimal so komplex wie in Deutschland. Letzteres ist jedoch hinsichtlich des internationalen Inkassos nicht ganz unkompliziert“, sagt Pascal Personne, Leiter der Schadens- und Inkassoabteilung bei der Allianz Trade Gruppe. „In diesem Zusammenhang hat sich die Kluft zwischen fortgeschrittenen Volkswirtschaften und Schwellenländern im Laufe der Zeit, insbesondere in Asien, allmählich verringert, aber sie bleibt bestehen. Die meisten Industrieländer haben ein ‚geringes‘ Maß an Inkasso-Komplexität. Im Durchschnitt sind der Nahe Osten und Afrika die beiden komplexesten Regionen.“

[1] Der Allianz Trade Inkasso-Index ein Maß für den Komplexitätsgrad internationaler Inkassoverfahren in jedem einzelnen Land auf einer Skala von 0 (am wenigsten komplex) bis 100 (am komplexesten). Der Score basiert auf der Einschätzung von Inkassoexperten von Allianz Trade weltweit (340) und über 40 objektiven Indikatoren.
Quelle: Allianz Trade / Bild: Pixabay

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