
Die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen hat sich laut aktueller Allianz-Trade-Studie weiter verschlechtert. 2025 stieg der sogenannte Cash Collection Cycle (CCC) hierzulande um 1,8 Tage auf 79 Tage und liegt damit deutlich über dem westeuropäischen Durchschnitt von 63 Tagen. Der CCC misst, wie lange Unternehmen benötigen, um Ausgaben wieder in Einnahmen umzuwandeln. Haupttreiber sind längere Zahlungsziele sowie höhere Lagerbestände.
Die durchschnittliche Forderungslaufzeit (Days of Sales Outstanding, DSO) erhöhte sich in Deutschland um 2,8 Tage auf 55 Tage. Gleichzeitig wuchsen die Lagerreichweiten (Days Inventory Outstanding, DIO) auf 58 Tage (+0,9). Zwar verlängerten Unternehmen auch ihre Zahlungsziele gegenüber Lieferanten (Days Payable Outstanding, DPO) um 1,9 Tage auf 35 Tage, dennoch zahlen sie im internationalen Vergleich weiterhin schnell – rund zwei Wochen früher als der westeuropäische Durchschnitt. Dadurch bleibt wenig Spielraum, Liquiditätsabflüsse durch spätere Zahlungen auszugleichen.
Für 2026 erwartet Allianz Trade eine weitere Verschlechterung: Der CCC dürfte um etwa vier Tage auf 83 Tage steigen. Grund ist die strukturelle Verwundbarkeit des Systems – steigende Forderungslaufzeiten und Lagerbestände treffen auf begrenzte Möglichkeiten, Zahlungsfristen gegenüber Lieferanten auszudehnen.
Global zeigt sich ein ähnlicher Trend: Der CCC stieg 2025 leicht auf 67 Tage und liegt damit über dem langfristigen Durchschnitt. Hauptursache ist der strategische Aufbau von Lagerbeständen. Unternehmen verabschieden sich zunehmend vom „Just-in-Time“-Prinzip zugunsten einer „Just-in-Case“-Strategie, um Lieferkettenrisiken, geopolitische Unsicherheiten und Handelsfragmentierung besser abzufedern. Diese höhere Resilienz bindet jedoch Kapital und belastet die Liquidität.
Die Lagerhaltung erklärt inzwischen rund 80 Prozent des CCC-Niveaus. Weltweit liegt die DIO bei 53 Tagen und damit klar über dem Vorkrisenniveau. Die Zahlungsziele (DSO) bleiben global relativ stabil bei rund 56,5 Tagen.
Für 2026 rechnet Allianz Trade global nur mit einem moderaten weiteren Anstieg des CCC. Belastend wirken steigende Lagerbestände infolge geopolitischer Spannungen und strategischer Vorratshaltung. Gleichzeitig könnten Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenzentren stabilisierend wirken, insbesondere in technologiegetriebenen Branchen.
Die vollständige Studie (ENG, pdf) gibt es hier.
Quelle: Allianz Trade / Bild: Pixabay














