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Giftige Kabinenluft – Passagiere ahnungslos

Kabinenluft führt immer häufiger dazu, dass Piloten nur noch mithilfe von Sauerstoffmasken
fähig sind, das Flugzeug zu führen. In ihrem Blut finden sich danach
giftige Substanzen, die auch in Triebwerkölen vorkommen. Passagiere bekommen
davon nichts mit, werden auch nicht über Gesundheitsrisiken aufgeklärt, obwohl sie
die gleiche Luft einatmen. Allein 67 solcher oder ähnlicher Fälle mit Öldämpfen im
Flugzeug sind in weniger als drei Jahren amtlich erfasst worden. Tendenz steigend.
Das ergab eine kleine Anfrage des tourismuspolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/ Die Grünen, Markus Tressel.

„Wenn Piloten aufgrund giftiger Gase in der Kabinenluft Sauerstoffmasken ziehen müssen,
zeigt das, wie groß die Probleme mit der Luftqualität sind. Dass Passagiere darüber nicht
aufgeklärt werden, ist ungeheuerlich“, meint Tressel. Der tourismuspolitische Sprecher der
grünen Bundestagsfraktion hat dazu in dieser Legislaturperiode ein halbes Dutzend Anfragen
gestellt. Er sieht Hersteller und Airlines unter Zugzwang. Auch ein Antrag (BT-Drs.
17/7480) des grünen Abgeordneten wird noch abschließend debattiert, um die Bundesregierung
zum Handeln zu bringen. Allein 67 Fälle mit Öldämpfen sind in den letzten drei Jahren
amtlich erfasst worden. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat davon
wiederrum neun als schwere Störungen klassifiziert, also Fälle bei denen Personal wegen
der Kabinenluft ausgefallen ist oder Piloten Sauerstoffmasken ziehen mussten. Die Dunkelziffer
der Vorfälle liegt aber erheblich höher. Das liegt mitunter am Meldeverfahren. Einige
Fälle werden erst auf Druck gemeldet, wenn beispielsweise Medien darüber berichten oder
die Behörde nachfragt. Erst am 9. Juni musste erneut eine Boeing 757, ein Typ der häufig
als Ferienflieger eingesetzt wird, ihren Flug abbrechen. Die Bundesregierung bestätigt, dass
dieses Flugzeugmuster besonders störanfällig ist und „Oil smell“ hier „sehr ernst genommen“
werde. Zu anderen Fällen, die sich im letzten halben Jahr ereigneten und nach denen
Tressel nun fragte, seien die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, so die Bundesregierung.



Auch bei weiteren Antworten auf die 95 Fragen im Rahmen der kleinen Anfrage hält sich
die Bundesregierung äußerst bedeckt. „Dazu liegen (…) keine Informationen vor“, heißt es
auf insgesamt 14 Fragen. Oftmals genau die Fragen, die darauf abzielen, ob Passagiere in
konkreten Fällen, bei denen Personal medizinisch betreut worden ist oder nur mithilfe von
Sauerstoffmasken das Flugzeug führen konnten, ebenfalls betreut worden sind.

Der Grund für solche Zwischenfälle ist unter anderem die technische Konstruktion vieler
Flugzeuge, die die „Frischluft“ für die Kabine aus den Triebwerken abzapft. Die erhitzten
Triebwerköle können so in die Atemluft gelangen und kurzfristig für Kopfschmerzen,
Übelkeit, Reizungen von Atemwegen oder Schleimhäuten sorgen, aber auch Taubheitsgefühle
in den Fingern hervorrufen. Gase, wie beispielsweise Ozon erhöhen das Krebsrisiko
und andere Substanzen rufen im schlimmsten Fall Nervenerkrankungen hervor.

„Das Entscheidende ist, dass Zapfluftkanäle in aller Regel nicht kontrolliert werden“, erklärt
Tressel. Das ergaben mitunter die Antworten auf die Frage 76 und 94, wonach „die
Herstellerverfahren keine explizite Kontrolle“ vorsehen. Auch die Vorschriften für die
Luftqualität an Bord von Flugzeugen sind unzureichend, bis zu 60 Grad Celsius sind erlaubt.
Tressel: „Die Bundesregierung muss nacharbeiten. Eine Gefährdung für die Flugsicherheit
kann auch sie bei Störungen nicht ausschließen.“





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