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Zahlt die Hotellerie demnächst 15% Provision auf Tagungsumsätze?

(PREGAS/D.L.) Der Tagungs- und Veranstaltungsmarkt ist nach wie vor noch ein Bereich in Unternehmen, der bisher noch nicht in dem Maß technologisch organisiert ist, wie es bereits im Geschäftsreisebereich an der Tagesordnung ist.

Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen jedoch, dass sich die bereits in Deutschland bekannten Technikanbieter in Stellung bringen, da sich die Forderungen nach professioneller Organisation im MICE-Segment (Meetings, Incentives, Congresses, Events) in den Unternehmen mehren.

Erst vor einigen Tagen berichtete der Bonner MICE-Spezialist „Meetago“ in einer Mitteilung vom weiteren Wachstumskurs und untermauert diesen mit einem zu erwartenden Buchungsvolumen von 100 Millionen Euro. Die kürzlich vorangegangene Firmenbeteiligung von HRS in Höhe von 25,1% am Bonner Unternehmen wurde jedoch bisher nach Redaktionsrecherchen in keiner Pressemitteilung erwähnt. Ist dies ein Anzeichen dafür, dass in diesem Marktsegment neue Allianzen hinter den Kulissen geschlossen werden, um auch die Provisionen auf Hotelumsätze im Veranstaltungsbereich in gleicher Höhe zu fordern, wie es HRS bereits im Einzelbuchungsbereich durchführt? Hier beklagt der ein oder andere Hotellier, allen voran Elysée-Chef Eugen Block, schon seit Längerem die geforderte Provision von HRS in Höhe von 15%. Zu der HRS Gruppe gehört ebenfalls die Marke Hotel.de, der Mitbewerber Booking.com verlangt darüber hinaus noch mehr.

Es könnte jedoch eine logische Schlussfolgerung sein, dass sich die großen Buchungsmaschinen aus dem Einzelbuchungsbereich nun verstärkt dem Tagungsmarkt widmen werden, da das gesamte Umsatzvolumen im MICE-Bereich alleine für Deutschland je nach Studie auf 15-30 Milliarden Euro geschätzt wird. Sollte dieses Umsatzvolumen zukünftig größtenteils über OBEs (Online Booking Engines) der bereits etablierten Anbieter wie HRS & Co. laufen, wäre es nicht verwunderlich, wenn die Hotellerie zukünftig einen weiteren, starken Anstieg bei den Distributionskosten zu spüren bekäme. Neu in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass anscheinend versucht wird, sich Teile des bereits vergebenen MICE-Marktvolumens durch eine Beteiligung zu sichern. Verwunderlich ist, dass die Entwicklung einer eigenen Buchungsplattform für das Veranstaltungsgeschäft nicht zwingend bei den großen Anbietern inhouse durchgeführt werden soll. Anscheinend spielt aber durchaus auch das bereits aufgebaute Vertrauen im Markt und die Einführung bereits funktionierender Prozesse eine große Rolle. Bei dem Beispiel HRS und Meetago sollte man davon ausgehen, dass ein großer „Masterplan“ sicherlich schon vorbereitet ist.

Darüber hinaus ist die bestehende Situation, dass derzeit die Vergütungsmodelle des Vermittlungsgeschäftes noch sehr differierend sind. Nicht nur, dass die Höhe der Provisionen unterschiedlich ist (lt. Redaktionsrecherche liegen diese derzeit zwischen 5 und 10 Prozent auf Übernachtungs- und Tagungsleistungen), so forcieren andere Anbieter bereits erste Mischkalkulationen, so dass die Vermittlung von Tagungsleistungen nicht einseitig der Hotellerie zu Lasten fällt, sondern die Unternehmen ebenfalls an den Kosten beteiligt werden. Dies ist sicherlich ein richtiger Ansatz, da Forderungen der Unternehmen nach weiteren technischen Entwicklungen sowie die Einführung von verhandelten Firmenraten eine einseitige Kostenverteilung auf die Provisionen, die die Hotellerie zahlt, argumentativ entgegensteht. Die Hotellerie sollte sich daher bereits heute im Klaren darüber werden, wie sie einen Mix aus Online- und Direktvertrieb sinnvoll gestaltet.

Am Ende wird jedoch der Markt entscheiden und dieser wird oftmals durch die finanzielle Kraft der Investoren entschieden. Insbesondere im MICE-Bereich, da es sich hierbei um einen reinen „Business to Business“ Markt handelt.





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