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VCD Bahntest 2010

Einfach einsteigen und losfahren – das ist die Idealvorstellung vom Bahnreisen. Doch leider gibt es in der Realität zahlreiche Hürden für all jene, die mit der Bahn fahren möchten: Die Vielfalt von Tarifsystemen, Sondertarifen, Informationssystemen und Vertriebskanälen schreckt nicht nur potentielle Fahrgäste ab, sondern ist auch für Menschen, die die Bahn regelmäßig nutzen, schwer zu durchschauen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des VCD Bahntests 2010, den der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) heute in Berlin vorgestellt hat. Der VCD fordert Bundesregierung, Länder und Eisenbahnunternehmen gleichermaßen auf, das klimafreundliche Bahnfahren durch einheitliche Regelungen bei Tarifen, Fahrplänen und Verkaufskanälen attraktiver zu machen.

Mit seinem Bahntest will der VCD aufzeigen, wo die Potenziale im Bahnverkehr liegen und was getan werden muss, damit mehr Menschen auf die Bahn umsteigen. Wie schon in den vergangenen Jahren hat der VCD das Hamburger Qualitätsforschungsinstitut Quotas mit der Untersuchung zum VCD Bahntest beauftragt. In einem Panelverfahren wurden Antworten von fast 3 000 Nutzern und Nichtnutzern der Bahn ausgewertet.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: „Um möglichst viele Menschen für die ressourcen- und klimaschonende Bahn zu gewinnen, muss Bahnfahren einfacher und attraktiver werden. Dazu gehören übersichtliche Fahrpreise, unkomplizierte Nutzungsmöglichkeiten und guter Service. Den Reisenden bietet sich jedoch zumeist ein ganz anderes Bild: Das Fahren mit der Bahn ist kompliziert. Zu dieser Einschätzung kommen die Befragten des VCD Bahntests. Dabei fällt das Urteil derjenigen, die nie oder selten die Bahn nutzen, noch schlechter aus als das der Bahnerfahrenen. Potentielle Bahnkunden werden also abgeschreckt.“

Laut VCD Bahntest schätzen Bahnnutzer beim Verkehrsmittel Bahn am meisten, dass es stressfreies und entspanntes Reisen möglich macht und die Reisezeit gut genutzt werden kann. Die Menschen erwarten aber, dass die Bahnen pünktlich und sicher ankommen und die Anschlüsse optimal sind. Wenn diese Ansprüche erfüllt sind, können sich rund 50 Prozent der Befragten vorstellen, künftig häufiger mit der Bahn zu fahren.

Die Studie zeigt auf, dass es vor allem drei Punkte sind, die von den Befragten am stärksten kritisiert wurden: die Wahl des passenden Fahrscheins aus der schier unüberschaubaren Vielfalt an Angeboten und Tarifen, der Kauf eines Fahrscheins und die mangelnden Informationsmöglichkeiten über Fahrplan, Fahrscheine, Ermäßigungen und Fahrscheinkauf. Diese Hürden seien es, die die Menschen von einer Bahnfahrt abhielten.

Die Tarifsysteme in Nah- und Fernverkehr wurden durchweg schlecht bewertet, im Nahverkehr schlechter als im Fernverkehr. Die breite Vielfalt von Fahrscheinen und Verbund-, Nah-, Fernverkehrs- und Sondertarifen, die sich gegenseitig häufig ausschließen, verwirre selbst passionierte Bahnnutzer. Der VCD fordert, diese Unterscheidungen zu durchbrechen. Gehrmann: „Bahnreisende wollen einfach und bequem von A nach B reisen, ohne sich im Vorfeld lange den Kopf über Sparpreise oder Sonderregelungen zerbrechen zu müssen. Wir brauchen Vereinheitlichung bei den Bahntarifen, bei Vertrieb, Fahrscheinkauf und Informationsbeschaffungen.“ Mit einem einheitlichen „Deutschland-Tarif“, wie ihn der VCD vorschlägt, könnten mit einem Grundpreis alle Züge des Nah- und Fernverkehrs mit einem einheitlichen Fahrschein genutzt werden. Eventuelle Aufschläge – etwa für ICEs oder Nachtzüge – würden problemlos im Zug nachgelöst.

Nachbesserungsbedarf bestehe auch beim Fahrscheinkauf. Ob Automat, Internet oder Schalter – alle von der Bahn angebotenen Verkaufssysteme wurden von den Befragten als mittelmäßig eingestuft.

Heidi Tischmann, VCD-Bahnexpertin: „Am einfachsten wäre es, in den Zug zu steigen und das Ticket dort direkt kaufen zu können – nicht nur im Fernverkehr. Fahrscheinautomaten müssen eine einheitliche oder zumindest vergleichbare Bedienoberfläche besitzen. Der personenbediente Verkauf in Reisezentren und Bahnagenturen muss erhalten bleiben. Vor allem im Fernverkehr, bei Fahrrad- oder Gruppenreisen ist gute Beratung unerlässlich.“ Fahrscheine, die am Fahrkartenschalter oder in einer Bahnagentur gekauft werden, dürften nicht teurer sein als im Internet oder am Automaten.

Bei fast allen Befragten sind es mangelnde Informationen über die Bahntarife, die sie gegebenenfalls vom Bahnfahren abhalten. Tischmann: „Umfassende Informationen über die Angebote der Bahn, über Preise, Fahrscheine und Verkaufsstellen sind Voraussetzung dafür, dass mehr Menschen von ihrem Auto in die umweltfreundlichere Bahn umsteigen. Die Informationen müssen verständlich, übersichtlich, vollständig und aktuell sein. Wichtig ist, dass auch Ortsfremde und Menschen, die nicht jeden Tag im Zug sitzen, sie verstehen.“ Es sollte grundsätzlich auch für Menschen ohne Tarif- und Ortskenntnisse in wenigen Schritten möglich sein, das für den jeweiligen Zweck richtige Ticket zu erwerben.

Zudem müssten die Bahnangebote besser aufeinander abgestimmt werden. Wie der VCD Bahntest ergab, sind für Menschen, die bisher nicht mit der Bahn fahren, Flexibilität, Zeitgewinn und Pünktlichkeit die wichtigsten Faktoren für die Wahl des Verkehrsmittels. Der VCD fordert daher einen integralen Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild, wo alle Züge immer jede Stunde zur gleichen Minute abfahren und ankommen. Tischmann: „Mit dem sogenannten Deutschland-Takt kann das gesamte Bahnangebot so verknüpft und vertaktet werden, dass häufigere und zügigere Verbindungen mit optimalen Umsteigemöglichkeiten entstehen. Vom ICE über die Regionalbahn bis hin zum Bus in der Fläche gebe es so verlässliche Reiseketten.“

Den VCD Bahntest 2010 als pdf zum Download unter www.vcd.org/bahntest.html





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