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Südafrikas Wirtschaftsboom im Schatten von China & Co.

Die nächste Fußballweltmeisterschaft 2010 wird in Südafrika und damit erstmals auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen. Südafrika steht angesichts des weltweit größten Sportevents im Fokus der Öffentlichkeit. Neben dem Fußballgroßereignis ist Südafrika auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein wahrer Aufsteiger. Das Südafrika allerdings als interessanter Wirtschaftsstandort viel zu bieten hat, ist indes vielen Unternehmen aus Europa und den USA noch unbekannt, wie eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstitutes Datamonitor belegt.



Im Auftrag des britischen Telekommunikationskonzerns BT wurden 800 Geschäftsführer und Manager mittelständischer Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen $ 10 Mio. und $ 1 Mrd. nach internationalen Zielmärkten und Expansionsstrategien befragt. Dabei schätzen 61% der Führungskräfte aus den USA, Frankreich, England und Deutschland ein langfristiges Geschäftsengagement in Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS-Staaten) als sehr wichtig ein. Im Vergleich empfinden die Unternehmenslenker Südafrika als Wirtschaftsstandort allerdings weniger attraktiv als China & Co. Die Kaprepublik scheint noch immer ein wirtschaftlicher Exot zu sein legt man die vorhandenen Marktkenntnisse zugrunde. So ergab die Untersuchung, dass 27% der befragten Unternehmer und Manager nicht in der Lage waren, die wichtigsten Industriebereiche Südafrikas zu benennen. Noch erstaunlicher ist allerdings das Ergebnis bei der Frage nach der lokalen Währung, die 70% der Befragten nicht geläufig war.



Insbesondere ein Mangel an relevanten Informationen zur lokalen Gesetzgebung und den Handelsrichtlinien sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Markteintrittsbarrieren sind als Gründe für ein zögerliches Geschäftsengagement aufgeführt worden. Darüber hinaus befürchten die Unternehmen die Einflussnahme von staatlicher Seite.



Dabei muss Südafrika Vergleiche insbesondere mit den BRIC-Staaten nicht scheuen. Im ‚Global Competitiveness Index’ des Weltwirtschaftsforums rangiert die Kaprepublik unter den Top 50 Ländern auf Platz 46. Im Vergleich dazu nimmt China im Index den 55. Platz ein. Auch Russland und Brasilien belegen mit den Plätzen 61 bzw. 67 noch Positionen hinter Südafrika.

Nach Einschätzung des südafrikanischen Bureau of Economic Research wird für das laufende Jahr erneut ein Wirtschaftswachstum von 5,0% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwartet. Auch für die nächsten drei Jahre geht das Wirtschaftsinstitut von einem Wachstum in gleicher Höhe aus.
Konjunkturbelebende Impulse sowie die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen sollen vor allem durch die von der Regierung ins Leben gerufene Wachstumsinitiative ‚Accelerated and Shared Growth Initiative South Africa’ (ASGISA) ausgehen. Teil der Initiative sind die umfangreichen Investitionen zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten. Für die kommenden drei Jahre stellt Südafrikas Regierung ein Budget i. H. v. ca. 44 Mrd. Euro bereit. Finanziert wird damit vor allem der Ausbau bzw. die Modernisierung der Energieversorgung sowie Projekte im Transport- und Verkehrsbereich.
Ein weiteres wirtschaftspolitisches Thema der südafrikanischen Regierung ist die Förderung der wirtschaftlichen Gleichstellung der überwiegend schwarzen Bevölkerung. Mit dem im Januar 2004 in Kraft getretenen ‚Broad-Based Black Economic Empowerment Act’, hat Südafrikas Regierung die Grundlage geschaffen, Schwarze durch Unternehmensbeteiligungen und die Übertragung von Management- und Kontrollfunktionen aktiv in die private Wirtschaft einzubinden, um somit die Wirtschaftskraft des Landes voll zu entfalten. Insbesondere deutsche Unternehmen in Südafrika haben zwischenzeitlich gegenüber anderen ausländischen Gesellschaften bei der Umsetzung dieser gesetzlich verankerten Anforderungen eine Vorreiterrolle eingenommen und sich Wettbewerbsvorteile verschafft.

Südafrika erfreut sich seit Jahren einer starken und anhaltenden Inlandsnachfrage. Vor allem die wachsende schwarze Mittelschicht ist für den Konsumboom verantwortlich und sorgt für Wachstumsraten von mehr als 10% im Einzelhandel. Auch die Automobilindustrie profitiert von der zusätzlichen Kaufkraft durch den steigenden Absatz von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen im Mittelklasse und Luxussegment. Die anhaltende Konsumentennachfrage ist allerdings auch der Grund für einen Anstieg der Inflationsrate im vergangenen Jahr auf 5%. Damit lag sie im oberen Bereich des von der Regierung vorgegebenen Zielkorridors. Auch 2007 lag die Teuerungsrate über dem angepeilten Ziel von 6%. Preistreiber sind die gestiegenen Energiepreise und Lebenshaltungskosten sowie der schwache Rand. Diese Entwicklung hat die Zentralbank dazu veranlasst, den Leitzins 2006 insgesamt viermal um jeweils 50 Basispunkte anzuheben. Nach der letzten Erhöhung im Oktober diesen Jahres liegt er nunmehr bei 10,5%. Für 2008 wird die Inflationsrate nach Prognosen bei ca. 5,4% liegen.

Südafrikas verarbeitende Industrie gewinnt seit den letzten Jahren insbesondere in den Bereichen der Grundstoff-, Investitionsgüter- und Schwerindustrie an Bedeutung. Hergestellt werden vor allem Eisen- und Stahlprodukte, Erzeugnisse der Textil- und Kunststoffverarbeitenden Industrie sowie Kraftfahrzeuge und andere Transportmittel. Die durch aktive Industriepolitik der Regierung geförderte Automobilindustrie entwickelte sich weiter positiv. 2006 wurden ca. 614 000 Fahrzeuge produziert und damit etwa 17% mehr als im Vorjahr. Insgesamt 30% der Neufahrzeuge wurden exportiert.
Durch die umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen der Regierung und den hohen Bedarf an Wohn- und Büroraum verzeichnet die Bauindustrie eine enorme Belebung der Auftragslage. Die Branche hat in der Zeit der politischen Isolation deutlich Personal und den Umfang der Maschinenparks reduziert. Derzeit zählt der Bausektor etwa 75.000 Fachkräfte. Bis zum Jahr 2010 schätzen Experten, dass zusätzlich ca. 11.000 Ingenieure und etwa 55.000 Facharbeiter benötigt werden.
Ein ebenfalls bedeutender Wachstumssektor ist die Call Center- bzw. Outsourcing-Industrie. Seit der Jahrtausendwende avanciert der Sektor zu einem der wichtigsten Arbeitgeber und beschäftigt derzeit ca. 15.000 Mitarbeiter alleine in Kapstadt. Zwischenzeitlich nutzen auch deutsche Unternehmen den Kosten- und Standortvorteil, den Südafrika u. a. mit der gleichen Zeitschiene zu bieten hat.

Die Zukunftsaussichten auf Basis der prosperierenden Wirtschaft und stabilen politischen Strukturen sind äußerst viel versprechend. Die Regierung strebt ein Wirtschaftswachstum von 6% bis 2014 an. Die Betriebskosten werden trotz jüngsten Energiepreiserhöhungen als kosteneffektiv eingestuft und die Weltbank zählt Südafrika zu den 30 globalen Top-Ländern mit den günstigsten Geschäftsbedingungen. Darüber hinaus hat sich Südafrika als günstiger Ausgangspunkt für die Bearbeitung weitere Absatzmärkte des südlichen Afrikas mit einem Gesamtbruttoinlandsprodukt von etwa US$ 160 Milliarden etabliert.

www.esa-meridian.com





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