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Spritverbrauch deutscher Firmenwagen

Deutsche Umwelthilfe veröffentlicht Ergebnis von Dienstwagenumfrage unter 153 Unternehmen – Ernüchterndes Ergebnis: Nur vier Unternehmen erhalten die „Grüne Karte“ für niedrigen CO2-Ausstoß bei Vorstands- und Flottenfahrzeugen – 140 Firmen verfehlen den Nachhaltigkeitscheck wegen zu hoher Spritverbräuche bzw. Intransparenz und erhalten die „Rote Karte“ – 27 von 30 Mitglieder von Econsense, dem „Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft“, fallen durch.

Kaum ein deutsches Unternehmen verzichtet heute darauf, sich in seiner Selbstdarstellung als nachhaltig und dem Klimaschutz verpflichtet darzustellen. Am Beispiel ihrer Dienstwagenflotten hat die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) 153 von ihnen einem Glaubwürdigkeits-Check unterzogen – mit insgesamt ernüchterndem Ergebnis. Den Nachhaltigkeits- und Transparenzbeteuerungen der in jedem Jahr aufwändigeren Firmenberichte hält die Realität der Dienstwagen und ihrer Kraftstoffverbräuche in den meisten Fällen nicht stand. Bei rund der Hälfte der befragten Unternehmen scheitert der Nachweis ihrer Nachhaltigkeitsanstrengungen schon daran, dass sie sich weigern, den Spritverbrauch der Vorstands- und Flottenfahrzeuge offenzulegen.

Zwischen März und Juni 2011 hat die DUH die 100 größten börsennotierten sowie 53 weitere meist mittelständische Unternehmen, die einen besonderen Wert auf ein positives Umwelt- und Nachhaltigkeitsimage legen, befragt. Die DUH wollte wissen, wie hoch der durchschnittliche CO2-Ausstoß ihrer Dienstwagen aktuell ist, mit welchen Limousinen der Vorstand und dessen Vorsitzender vorausfahren und welche Strategien zur Reduktion des CO2-Ausstoßes der eigenen Pkw-Flotte das Unternehmen verfolgt.

Nur 79 der befragten 153 Unternehmen waren überhaupt bereit, das Auskunftsersuchen zu beantworten. Lediglich vier Firmen – die Deutsche Bahn AG, die Phoenix Solar AG, die Pfeiffer Vacuum GmbH und die PUMA AG – erfüllen bezüglich ihrer Dienstwagen vorbildlich Nachhaltigkeits- und Transparenzansprüche. Sie erhalten dafür von der DUH die nach einem Bewertungssystem ermittelte „Grüne Karte für ein glaubwürdiges Klimabewusstsein“.

Neun weitere Unternehmen landen mit der „Gelben Karte“ in der Kategorie für ein erkennbares aber noch nicht ausreichendes Klimaengagement. Hierzu zählen: C&A Mode, Deutsche Telekom AG, HeidelbergCement AG, Kaiser’s Tengelmann, K&S AG, MTU Aero Engines AG, Nordex SE, Qiagen GmbH und Sky Deutschland AG. Trotz zum Teil moderater CO2-Werte für die Dienstwagenflotte verfehlen diese Unternehmen die Kategorie „grün“ vor allem, weil in den Vorstandsetagen, in denen eine besondere Vorbildfunktion erfüllt werden sollte, gesündigt wird. Die Vorstandslimousinen verfehlen in diesem Fall den EU-Zielwert für 2008 von 140 g CO2/km im Durchschnitt um mehr als 20 Prozent.

Ärgerlich und insgesamt selbstentlarvend ist aber vor allem die große Zahl derer, die es nicht für nötig hielten, überhaupt Antwort zu geben, mit fadenscheinigen Argumenten die Aussage verweigerten oder mit nach wie vor übermotorisierten Limousinen mit zu hohem CO2-Ausstoß ihren Berufsalltag erledigen. Diese Firmen fallen im Glaubwürdigkeits-Check durch. Sie erhalten die „Rote Karte“.

„Während Politiker allmählich einsehen, wie wichtig die Wahl eines spritsparenden Dienstwagens ist, hat die Mehrzahl der bundesdeutschen Unternehmen den Schuss noch nicht gehört. Immerhin vier Unternehmen beweisen, dass es möglich ist, die Klimagas-Zielwerte der EU auch bei Firmenwagen einzuhalten“, sagt DUH-Bundes-geschäftsführer Jürgen Resch. Zu den Empfängern der „Roten Karte“ gehören auch Unternehmen, die sich als Mitglieder von Econsense, dem „Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V.“ gern als Avantgarde einer „Ökobewegung“ in der deutschen Unternehmerschaft darstellen. Im Forum zusammengeschlossen haben sich diese Unternehmen angeblich, um für eine nachhaltige Entwicklung einzutreten und mit hoher Transparenz Auskunft zu geben über ihr Unternehmenshandeln. 27 von 30 befragten Econsense Mitgliedern erhielten die „Rote Karte“, Sie stehen nun unter dem Verdacht des Greenwashings und – in der Konsequenz – unter verschärfter Beobachtung.

Einen besonderen Fauxpas erlaubte sich das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, das zunächst bereitwillig alle erbetenen Daten übermittelte und anschließend die Daten nicht zur Veröffentlichung freigab. Dabei hatte die DUH alle befragten Unternehmen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Daten veröffentlicht werden würden. Die DUH bleibt bei ihrer Ankündigung und veröffentlicht die (schlechten) CO2-Werte der KPMG-Dienstwagenflotte, ebenso wie die aller anderen Unternehmen, von denen Daten vorliegen.

Auch einige große Energieunternehmen und Automobilhersteller darunter Daimler, BMW, Volkswagen, E.ON und Solarworld entziehen sich ihrer unternehmerischen Verantwortung. Die Allianz SE landet beispielsweise bezüglich des CO2-Ausstoßes ihrer Flotte und der Vorstandsfahrzeuge weit hinter der von der Europäischen Union bereits für das Jahr 2008 gesetzten Zielmarke von 140 g CO2/km. „Die Phase der Lippenbekenntnisse muss jetzt zu Ende gehen. Die Gesellschaft fordert Glaubwürdigkeit nicht länger nur von der Politik, sondern immer stärker auch von den Unternehmen und insbesondere von gut bezahlten Managern“, so Resch. Wenn die Unternehmen Reden und Handeln nicht in Einklang brächten, würde auch jene Minderheit der Firmen „kontaminiert“, die schon heute zeigten, dass „Unternehmen Öko sein können“.

Wie beispielsweise die Phoenix Solar AG, deren Vorstandsvorsitzender Andreas Hänel sowohl mit seinem eigenen Dienstwagen (129 g CO2/km) als auch mit der Flotte des Vorstands (113 g CO2/km) und der Gesamtflotte der Firma (133 g CO2/km) Zeichen setzt und teilweise sogar schon unter dem erst ab 2012 von der EU vorgegebenen CO2-Zielwert von 120 g CO2/km bleibt. Auch die Deutsche Bahn AG und Pfeiffer Vacuum GmbH gehen mit gutem Beispiel voran und kommen als Vorstandsvorsitzende mit jeweils 191 g CO2/km und 165 g CO2/km aus. Besonders die Dienstwagenflotten liegen bei der DB mit 125 g CO2/km und der Pfeiffer Vacuum AG mit 140 g CO2/km im grünen Bereich. „An diesen Beispielen sieht man, dass auch Großunternehmen schon heute in der Lage sind, nachhaltige Mobilität zu leben“, sagte die Projektverantwortliche bei der DUH, Barbara Göppel.

Auf einem guten Weg sind immerhin auch zehn Unternehmen, die bei der Gesamtflotte einen CO2-Wert erreichen, der das EU-Ziel des Jahres 2008 von 140 g CO2/km sogar unterschreitet oder nicht mehr als 10 % übersteigt. Vor allem bei den Vorstandsfahrzeugen muss hier aber noch wesentlich nachgebessert werden. So leistet sich beispielsweise Brian Sullivan, Vorstandsvorsitzender der Sky Deutschland AG einen Audi A8, der 219 g CO2/km emittiert, Telekomchef René Obermann liegt mit 173 g CO2/km deutlich unter dem unverständlich hohen Gesamtdurchschnitt für den Telekomvorstand von 231 g CO2/km.



Die Forderung der Deutschen Umwelthilfe lautet: Vorstände und für die Firmenflotte Verantwortliche müssen mit guten Beispiel vorangehen und ausnahmslos Fahrzeuge einsetzen, die zumindest den EU-Zielwert von 140 g CO2/km für das Jahr 2008 unterschreiten. Das dienstwagentaugliche Angebot an Limousinen und Flottenfahrzeugen, die diesen Wert unterschreiten, nimmt stetig zu – auch unter deutschen Autoherstellern.

Ergebnisse der DUH-Firmenbewertung bzw. unter:

www.duh.de/verkehr_publikationen.html





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