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Risken umgehen – oder mit Risiken umgehen?

Für unsere privaten Finanz- und Vermögensdisposition ist der Begriff der Globalisierung zwar in vielen Situationen bereits direkt spürbar geworden, aber bei Entscheidungen wird die Tragweite geopolitischer Einflüsse gerade von deutschen Anlegern oftmals nur unzureichend berücksichtigt, nach dem Motto ‚Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht‘. Im Folgenden erfahren Sie, warum dieser Fehler weit verbreitet ist und warum das reine Depotmanagement bei weitem nicht mehr ausreicht, um Risiken wirklich zu steuern.

Unsere Welt ist in allen Gesellschaftsbereichen „kleiner“, weil vernetzter geworden. Auch die westliche, zivilisierte und technisch hochentwickelte Welt ist vor den damit verbundenen Gefahren nicht gefeit. Dies wird uns spätestens mit der globalen Bedrohung durch den internationalen Terrorismus, Naturkatastrophen, Klimaveränderungen oder virulenten Epedemien bewusst. Auch Staatsbankrotte, demographische Veränderungen, Erfolge radikaler Parteien und instabile politische Innenverhältnisse oder Unternehmensschieflagen durch Missmanagement, führen zu neuen Betrachtungsweisen für ein internationales und ganzheitliches Portfoliomanagement.

Vielfältige Faktoren beeinflussen die Konjunktur

Der internationale Welthandel nimmt seit Jahren immer mehr zu und führt unterschiedliche Nationen, Volkswirtschaften und Gesellschaften immer enger zusammen. Rund um den Globus entstehen neue und eigene Produktions- und Vertriebsnetze, welche grenzübergreifend operieren. Neue Technologien stellen eine große Herausforderung dar für „alte“ und etablierte Wirtschaftsstrukturen. Menschen können schneller und besser über Ländergrenzen hinweg kommunizieren und vieles muss sich anpassen oder wird überflüssig in einer völlig veränderten, vernetzten, technisierten und rationalisierten Welt.
Ende der 80er Jahre war die Globalisierung nur ein Synonym für das entstehen weltweiter Finanzmärkte und erfuhr in nur wenigen Jahren eine signifikante Bedeutungserweiterung.



Grenzüberschreitende Mobilität des Kapitals erhöht Wettbewerb

Volkswirtschaftlich ist der Prozess der Globalisierung äußerst komplex. Die Faktoren welche die Konjunktur beeinflussen sind äußerst vielfältig und es existiert kein alleiniges Erklärungsmuster für den Konjunkturzyklus. Dennoch lassen sich auch realwirtschaftliche Merkmale der Globalisierung identifizieren. Beispielsweise zeigt sich zunehmend eine Handelsverflechtung (abzulesen am Wachstum der Handelsströme), eine Angleichung der Konjunkturzyklen und damit einhergehend eine gestiegene Übereinstimmung vieler Indikatoren (Inflation, Zinsen, usw.) in der weltweiten Konjunkturentwicklung. Viele Märkte wurden in den vergangen Jahren stark dereguliert d.h. Handelsbeschränkungen und Restriktionen wurden aufgehoben. Dies führt dazu, dass sich der Wettbewerb zunehmend von der nationalen auf die globale, internationale Ebene verlagert. Des Weiteren wurde in vielen Ländern der Kapital- und Devisenverkehr vollständig liberalisiert. Im Vergleich zu den Gütermärkten ist die globale Verzahnung der Kapital- und Devisenmärkte bereits weit fortgeschritten. Die grenzüberschreitende Mobilität des Kapitals hat den Wettbewerb zwischen den Finanzzentren erhöht, was sich positiv auf die Unternehmensfinanzierung und Vermögensanlage auswirkt. Neben der hohen Kapitalmobilität hat sich in den meisten Ländern eine stabilitätsorientierte Geldpolitik durchgesetzt, die über geringere Inflationserwartungen zu tendenziell niedrigeren Zinsen führt. Ferner dürfte auch die Finanzpolitik der meisten westlichen Regierungen stärker auf die Konsolidierung der Staatsfinanzen ausgerichtet sein. Besonders synchron ticken die Uhren mittlerweile innerhalb der Europäischen Union beispielsweise, angesichts einer gemeinsamen Geldpolitik, der Stabilitätsrichtlinien also der Vereinbarung über die Konsolidierung der jeweiligen Staatshaushalte und des seit Einführung des Euros nicht mehr bestehenden Wechselkursrisikos.

Des Weiteren zeigen sich die Auswirkungen der Globalisierung im Hinblick auf die Finanzmärkte am deutlichsten wohl bei der Betrachtung der international tätigen Unternehmen. Beteiligungs- und Investitionskapital bewegt sich in immer größerem Ausmaß über Ländergrenzen hinweg. 1982 beispielsweise erzielten Auslandsniederlassungen von international tätigen Unternehmen Umsätze in Höhe von 2,5 Billionen US$. Bis 1990 verdoppelten sich diese Umsätze auf circa 5,5 Billionen US$ und im Jahr 2002 lagen diese bereits bei 20 Billionen US$. Zunehmend agieren auch mittelständische Unternehmen und Kleinbetriebe international und verstärken diese Tendenzen.

Finanz- und Kapitalmärkte vermehrt im Gleichschritt

Im Hinblick auf die Finanz- und Kapitalmärkte lassen sich im Wesentlichen zwei Globalisierungseffekte unterscheiden. Zum einen hat sich in den letzten Jahren die Zahl der Anlagemöglichkeiten deutlich erhöht und somit auch die Chancen global über verschiedene Produkt- und Anlageklassen zu diversifizieren. Zum anderen bewegen sich die Weltbörsen aber zunehmend im Gleichschritt. Dieser Gleichlauf der Märkte (fehlende positive Korrelationseffekte) führen oftmals zu negativen Entwicklungen im Wertpapierdepot eines Investors und machen breite Diversifikationen nicht mehr effektiv, da ein positiver Korrelationseffekt zwischen den unterschiedlichen Assetklassen ganz entscheidend für die Wirksamkeit der Diversifikation ist. Die Länder wachsen also durch diese Entwicklung immer mehr zusammen und bewegen sich im Gleichschritt.

Globalisierung – Neue Chancen, Neue Risiken!

Für internationale Wirtschaftsunternehmen, den Global tätigen Unternehmen, mag die zunehmende Entstehung und Vernetzung weltumfassender Märkte, die Multinationalisierung und Internationalisierung des Handels, der Kapitalmärkte, der Produkt- und Dienstleistungsmärkte vorangetrieben durch neue Kommunikations- und Informationstechnologien hochwillkommen sein, jedoch birgt diese Entwicklung neben den damit verbundenen Chancen auch große Gefahren nicht nur für diese ‚Global Player‘, sondern für jeden einzelnen von uns.

Diese Risiken werden vor allem in Beschäftigungs-, Sozial- und Vermögensstrukturen erhebliche Auswirkungen auf uns haben.

Hierbei müssen wir unsere bisherigen Strukturen diesen veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Jeder einzelne von uns muss gerade seine ‚Vermögenswerte‘ (Kapital, Wissen, Gesundheit, Lebenssituation, Partnerschaften) neu analysieren und strukturieren. Der altbewährte Leitsatz ‚Lege niemals alle Eier in einen Korb‘ bekommt also eine neue und erweiterte Bedeutung. Es zählt nicht nur mehrere Körbe zu wählen und die Eier zu verteilen, sondern auch unterschiedliche Transportmittel- und Transportzeiten für die Körbe auszuwählen. Diese Mehrdimensionale Betrachtungs- und Vorgehensweise ist die Antwort auf eine Welt mit veränderten und neuen Chancen und Risiken.



Eine Modernisierung, Strukturierung und Vernetzung der individuellen Anforderungen muss über ein effizientes Risikomanagement somit in allen Lebensbereichen (Kapitalanlage, Arbeitsplatz, Bildung, Gesundheit, Familie usw.) vorgenommen werden.



Hierbei ist ein kompetentes Management der individuellen Vermögenswerte ein unabdingbarer Bestandteil des Ganzen, weil auch beispielsweise Gesundheit oder Bildung – wenn auch teilweise bedingt – käuflich sind und private Vorsorge und privater Vermögensschutz immer wichtiger wird.



Das heißt, an Stelle staatlicher Absicherung (Rente, Sozialleistungen, Gesundheitsvorsorge oder Haftungsschutz), muss zunehmend eine private individuelle Vorsorge (Anlagemanagement) und Absicherung (Risikomanagement) erfolgen und dies nicht nur auf der reinen Wertpapierebene, sondern über mehrere Dimensionen verteilt.

Erkenntnisse der modernen Unternehmensführung nutzen

Der private Investor sollte hierbei Erkenntnisse und Vorgehensweisen der modernen Unternehmensführung und des betrieblichen Risikomanagements auf seine Vermögensanlage übertragen. Er sollte eine eigene Anlage-, Finanz- und Risikopolitik für seine Lebensgestaltung definieren, diese sinnvoll und auf seine Lebensumstände und Bedürfnisse abstimmen und den gegebenen Rahmenbedingungen einer globalisierten Welt anpassen. So wie Wechselwirkungen (Korrelationen) zwischen den unterschiedlichsten Anlageklassen im Portfoliomanagement mathematisch berücksichtigt werden, sollten auch die Korrelationen zwischen geographischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten (Geopolitik) Beachtung in unserem persönlichen Risikomanagement finden. Diese weit vernetzte, strukturierte und mehrdimensionale Vorgehensweise definiere und beschreiben wir als ‚Geopolitische Vermögenssteuerung‘.

‚Mit Risiken umgehen’oder ‚Risiken umgehen‘?

Gerade aus dem Bereich des professionellen betrieblichen Risikomanagements lassen sich Teilbereiche adaptieren auf den privaten Investor. Wie für Unternehmen im operativen Geschäft, sollte auch für private Vermögensanleger, Risikomanagement nicht großteils den finanziellen/monetären Bereich betreffen. Wenn man sich das Vermögensmanagement von privaten Investoren betrachtet, fällt auf, dass viele Ihren Hauptfocus auf das Management dieses monetären Risikos legen. Das heißt, ist mein Depot gut strukturiert, habe ich die richtigen Aktien bzw. Anlageformen, habe ich genügend Liquidität zur Verfügung, verwalte ich mein Kapital kostengünstig oder ist mein Depot gut gestreut. Strategische Risiken wie beispielsweise Rechtssprechung, steuerliche Regularien, Anbieterauswahl oder operative Risiken wie beispielsweise der Zugang zu meinem Vermögensverwalter oder technische Probleme in Extremsituationen (11. September, Irak-Krieg) bleiben oftmals außen vor, können aber erhebliche Auswirkungen wiederum auf die finanziellen Risiken haben und deren gutes Management unter Umständen komplett ad absurdum führen.



Vermögensmanagement = Finanz- und Lebensplanung

So wie das unternehmerische Risikomanagement der Führung des Unternehmens nützt, dient das private Risikomanagement im Bereich des Vermögensmanagements der Strukturierung und Steuerung der Vermögenswerte für eine optimale Lebensgestaltung. Unter dieser Finanzplanung ist nicht eine isolierte Planung der Finanzen, sondern die Lebensplanung eines jeden einzelnen, von uns aus gesamtheitlicher finanzieller Perspektive zu verstehen, welche viel allgemeines Wissen, spezifisches fachliches Know-How sowie auch nicht messbares Fingerspitzengefühl erfordert. Hierbei sollten die Ziele eines ausgewogenen Risikomanagements die Grundlage sein wie beispielsweise:


die Verknüpfung von Wachstum, Risikoarten und Gewinn
die Identifikation von Chancen und Zuordnung jeweiliger Risikoarten und -faktoren
die Verknüpfung von Risikobereitschaft und Anlegerstrategie
die Verbesserung/Vernetzung der Kommunikation sowie des Umgangs mit Risiken und Chancen
die Verhinderung von Überraschungen und die Minimierung von Verlusten
die Identifikation und das Management von ‚Globalen‘ und individuellen Risiken und Chancen
die ganzheitliche Betrachtung voneinander abhängigen Risikofaktoren
die Strukturierung und Steuerung des Kapitaleinsatzes auf unterschiedliche Anbieter, Länder und Rechtsformen



Risikomanagement muss sicherstellen, dass sowohl bestehende als auch zukünftige Risiken erkennbar und kontrollierbar sind.



So einleuchtend und notwendig diese Zielsetzungen auch im privaten Vermögensmanagement sind, so uneinheitlich und unklar sind die Terminologie, die Ausgestaltung und die Umsetzung eines angemessenen Risikomanagement-Systems.

Privates Risikomanagement = gezielte Streuung und Strukturierung

Wie kann man dies nun weiter umsetzen?
Hierbei ist es auch wieder hilfreich, sich unternehmerische Risikomanagementsysteme anzuschauen und zu analysieren. Vereinfacht kann man im betrieblichen Risk-Management zwei Prozesse unterscheiden:

Herkömmliches Risikomanagement

Abdeckung finanzieller Risiken, z.B. bei Geld- und Wertpapiergeschäften oder zum Ausgleich von Markt- und Währungsschwankungen.

Abdeckung allgemeiner Risiken, z.B. durch Versicherungen oder Streuung von Vermögenswerten auf unterschiedliche Anbieter, Produkte oder Märkte.



Diese Art von Risikomanagement ist zu eindimensional und somit den Anforderungen der modernen Marktentwicklung/Technisierung und Globalisierung nicht mehr gewachsen.



Modernes Risikomanagement

Neues, modernes Risikomanagement muss integrierter Bestandteil der Lebens- und Finanzplanung des Investors sein. Es muss sowohl strategisch als auch operational ausgerichtet sein, um den Anforderungen einer stetig wachsenden Technologisierung und Globalisierung zu genügen. Ziel eines derartigen Risikomanagement-Systemes im Vermögensmanagementbereich ist es, zusätzliche Diversifikationseffekte zu erzielen auf der strategischen und operationalen Risikoebene.

Risikomanagement heute, statt Krisenmanagement morgen

Modern geführte Unternehmen nehmen hierzu für ihr betriebliches Risk-Management eine Unterteilung in unterschiedliche Risikobereiche- und faktoren vor.
Der Private Investor kann seine Vermögenswerte grundsätzlich auf zwei Arten Veranlagen. Auf der einen Seite durch Direktinvestitionen (beispielsweise Beteiligungen, geschlossene Fonds, Genussrechte, Genussscheine, Aktien,), auf der anderen Seite durch so genannte Portfolioinvestitionen, welche durch die neuen Möglichkeiten der Securisation (Verbriefung von Assetklassen) in den letzten Jahren einen unglaublichen Zulauf gefunden haben und somit ein erweitertes Anlagespektrum bieten, welches früher nur über Direktinvestitionen möglich war. Bestimmte Märkte wie einzelne Rohstoffe, Immobilien oder auch Kredite (ABS-Strukturen) sind mittlerweile für Privatanleger frei und fungibel handelbar. Ein Investor muss keine Immobilie, einen bestimmten Rohstoff oder eine Firmenbeteiligung mehr direkt erwerben, sondern kann beispielsweise über strukturierte Produkte in diese Asset-Klassen ‚indirekt‘ investieren (z. B. Auslandsimmobilienfonds).

Bei Portfolioinvestitionen muss nun auf der einen Seite ein Anlage- und Risikomanagement des eigentlichen Depots vorgenommen werden nach den Regeln der Modernen Portfoliotheorie auf der anderen Seite muss eine Kontrolle der Lagerstelle/n und des ‚Depotmantels‘ (Rechtliche Strukturierung) vorgenommen werden. In der Regel wird das Depot von einer Bank oder einem Vermögensverwalter betreut und verwaltet bzw. auch nur ‚gelagert‘ beispielsweise bei einem Discountbroker oder einer Direktbank.

Auch dieser jeweilige Anbieter und sein Standort ist wiederum in einen ganzheitlichen Risikomanagementprozess einzubeziehen ebenso wie die Rechtsnatur der Depotführung (Personendepot oder Depotführung auf eine juristische Person) da auch auf den Vermögensverwalter und die Rechtsform der Depotführung Risikofaktoren einwirken. Diese sind jedoch nicht quantitativ messbar, sondern hier muss eine Risikoauswahl nach den Anbieterkompetenzen, den Rechtsstrukturen und den einzelnen Ländern erfolgen. Hier gilt, je größer und komplexer das Vermögen (Erbfolgemodelle, Haftungsmodelle, Anlageprodukte, Diskretionsbedarf, Steuerliche Optimierungen usw.) desto mehr Anlageformen in unterschiedlichen Rechtsräumen und Regionen sollten hinzugezogen werden, um auch strategische und operationale Risikofaktoren gezielt zu streuen.



Weiterführende Informationen unter www.geopolitical.biz.





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