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Lufthansa führt GDS-Zuschlag trotz massiver Kritik ein

Mit dem 1. September 2015 erhebt die Lufthansa die sogenannte Distribution Cost Charge (DCC) in Höhe von 16 Euro auf alle Flüge, die nicht direkt bei Lufthansa gebucht werden. Wie Lufthansa-Vertriebsvorstand Jens Bischof gestern bekannt gab, habe die Kranich-Airline in kurzer Zeit verschiedene IT-Lösungen konzipiert, die in naher Zukunft den Kunden angeboten werden könnten.

Parallel werde zudem aktiv an der Anbindung von Buchungsplattformen für Großunternehmen gearbeitet.

Eingriff in Unternehmensprozesse
„Alle vermeintlichen Alternativen, die die Lufthansa bisher präsentiert hat oder noch präsentieren will, kommen für Firmenkunden zu spät oder erfüllen nicht die Anforderungen an Effizienz und Vergleichbarkeit, die Travel Manager an die Buchung von Geschäftsreisen stellen“, so Hans-Ingo Biehl, Hauptgeschäftsführer des GeschäftsreiseVerbands VDR. Eine Fokussierung auf die Lufthansa-Direktkanäle und eine Abkehr von den etablierten GDS-Buchungskanälen sei ein Rückschritt in längst vergangene Zeiten, in denen noch jedes Angebot über Einzelabfragen bei den Anbietern miteinander verglichen werden musste. Beim Buchungsweg über ein Global Distribution System (GDS) werden hingegen die Angebote im System miteinander verglichen und verschiedene für die Unternehmen wichtige Schnittstellen berücksichtigt. Aus diesem Grund stellen Direktbuchungen über die Lufthansa einen massiven Eingriff in die hocheffektiven Buchungs- und Abwicklungsprozesse der Unternehmen dar.

Alternativen kommen zu spät
Auch die von Lufthansa-Vertriebsvorstand Jens Bischof angekündigten, bereits konzipierten IT-Lösungen lassen auf sich warten. „Unsere Mitglieder brauchen Planungssicherheit. Dazu gehört auch, dass mögliche Lösungen nicht erst in ein paar Wochen oder sogar erst nächstes Jahr verfügbar sind, sondern dann, wenn sie gebraucht werden“, erläutert Biehl mit Blick auf den bis dahin entstehenden erheblichen finanziellen und organisatorischen Mehraufwand.

Unterstützung aus der Branche fraglich
„Als Geschäftsreiseverband und Vertreter der Firmenkunden können wir die von Herrn Bischof angesprochene Bereitschaft der Branche zur Veränderung im Hinblick auf die DCC nicht nachvollziehen. Vor allem nicht, wenn wir hier eigentlich mehr von einem Rückschritt als von einer Innovation sprechen“, so Biehl. Die Lufthansa hatte in ihrer gestern veröffentlichten Pressemitteilung darauf verwiesen, die Weiterentwicklung ihrer Vertriebswege konsequent voranzutreiben und argumentiert, dass dadurch günstigere und zugleich modernere Buchungswege geschaffen werden. Wie eine aktuelle VDR-Umfrage aus der vergangenen Woche jedoch belegt, planen bereits rund 70 Prozent der VDR-Mitglieder aufgrund der DCC ihre Buchungen von der Lufthansa wegzusteuern oder ziehen dies in Betracht. Mit 83 Prozent hat zudem die Zahl derer zugenommen, für die Direktbuchungen über die Websiten der Lufthansa keine Alternative zu den bisher genutzten Buchungskanälen darstellen – bei der ersten Umfrage des VDR im Juni waren es rund 77 Prozent.

Lösungen müssen gemeinsam gefunden werden
„Nach wie vor erkennen wir seitens der Lufthansa keine Bereitschaft, sich mit den Aspekten, die gegen die DCC sprechen, kritisch auseinanderzusetzen und gemeinsam mit den Betroffenen nach praktikablen Lösungen zu suchen. Das bedauern wird sehr“, so VDR-Hauptgeschäftsführer Hans-Ingo Biehl. Der VDR hatte sich in den letzten Monaten mehrmals an die Lufthansa gewandt und sich gegen die Einführung der DCC ausgesprochen. Auch international steht die Lufthansa mit ihrem Vorgehen in der Kritik, so haben verschiedene Reiseverbände inzwischen unter anderem auch juristische Maßnahmen gegen die Einführung der DCC ergriffen.





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