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Hohe Ölpreise verteuern Tickets und drücken die Nachfrage

Seit einigen Wochen scheint der Optimismus in der
Luftfahrtbranche verflogen. Auch wenn die Berliner Luftfahrtmesse ILA noch
Ausstellerrekorde verzeichnet, sehen die Airlines die Zukunft oft düster. Denn
die Gesellschaften sitzen in der Kostenfalle. Viele stellen sich auf
langfristig hohe Ölpreise ein und verteuern ihre Tickets. Selbst die
aggressiven Billigflieger müssen die steigenden Kosten inzwischen an die
Kunden weitergeben, denen Fliegen nun möglicherweise zu teuer wird.

In nur einem halben Jahr ist der Ölpreis von unter 90 Dollar pro Fass auf
über 130 Dollar geklettert. Kerosin hat sich seit Januar um 55 Prozent
verteuert. Die Fluggäste bekommen das zu spüren. Die Lufthansa verlangt
inzwischen auf innerdeutschen und europäischen Verbindungen einen
Treibstoffzuschlag von 42 Euro für Hin- und Rückflüge, bei
Interkontinentalflügen 164 Euro.

Teils werden die zusätzlichen Kosten auch in anderen Gebühren versteckt.
„Die explodierenden Treibstoffpreise führen dazu, dass die Fluggesellschaften
sonstige Services aus dem Standard herauslösen und extra berechnen“, sagt
Georg Jegminat, Luftverkehrsexperte beim Touristikfachblatt FVW. Dies gelte
etwa für Aufschläge für zusätzliche Gepäckstücke, die teils deutlich erhöht
worden seien.

Doch selbst das reicht oft nicht mehr. Wegen des stetig steigenden
Kostendrucks gaben mit Finnair und Air France-KLM Ende vergangene Woche gleich
zwei große europäische Fluglinien eine Gewinnwarnung heraus. Air France-KLM
geht davon aus, dass seine Kerosin-Rechnung in diesem Jahr von 4,6 Milliarden
auf 5,7 Milliarden Euro steigt. „Werden so hohe Treibstoffkosten an die Kunden
weitergegeben, drückt das auf die Nachfrage“, erläutert Finanzvorstand
Philippe Calavia. Wenn das so weitergehe, werde sich die Lage im Luftverkehr
„zutiefst verändern“.

In den USA, wo wegen der Konjunkturflaute infolge der Immobilienkrise der
Druck besonders hoch ist, rutschte American Airlines im ersten Quartal tief in
die roten Zahlen. Das Unternehmen will nun seine Kapazitäten um zwölf Prozent
verringern, Jobs streichen und 75 Flugzeuge ausmustern. Einige kleinere
Anbieter mussten bereits den Gang zum Insolvenzrichter antreten. Die Londoner
„Times“ berichtet, Ölkonzerne lieferten selbst an große US-Airlines Kerosin
nur noch gegen Vorkasse. Um sich gegen mögliche Pleiten abzusichern, werde die
Praxis nun auch auf Europa übertragen.

Gerade die Billigflieger seien für die hohen Ölpreise besonders anfällig,
sagt FVW-Experte Jegminat. Sie seien nämlich von der Kostenstruktur her
ohnehin schon sehr schlank: „Sie haben nicht mehr viel zum Wegsparen“. Ihnen
bleibe nur, die Preise zu erhöhen – auf die Gefahr hin, sich ihrer Kundschaft
zu berauben.

Michael O’Leary, der für seine markigen Sprüche bekannte Chef von Europas
größtem Billigflieger Ryanair, prophezeit bereit einer Reihe von Konkurrenten
das Aus: Blieben die Ölpreise bis nächstes Jahr über 120 Dollar, „wird mancher
Wettbewerber noch pleite gehen“, sagte er vor jüngst der „Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung“. Mit jedem neuen Ölpreisrekord wächst in der
Branche die Zahl derer, die glauben, dass er Recht haben könnte.
mt/ali



Quelle: eturbonews





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