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Gerhard Lang sammelt Beutel für Reiseübelkeit aus aller Welt

Sein erster Griff im Flugzeug geht
immer zur Spucktüte. Das liegt allerdings nicht daran, dass Gerhard
Lang aus Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) unter Reiseübelkeit
leidet. Der Projektmanager ist viel unterwegs und kann dabei
gewissermaßen Hobby und Beruf verbinden: Er sammelt Spucktüten,
selbstverständlich unbenutzte. Rund 3300 der Passagierutensilien aus
Flugzeugen oder Schiffen nennt er inzwischen sein Eigen – sauber
sortiert in Klarsichtfolien füllen sie 45 Ordner.

Hin und wieder findet sich auch eine in der Tiefkühltruhe, sehr
zum Schrecken seiner Frau. Die Erklärung: Tiefgefroren lässt sich –
ohne das Papier zu beschädigen – Kaugummi entfernen, das Passagiere
in der unbenutzten Tüte heimlich verschwinden ließen. Das älteste
Modell in Langs Sammlung stammt aus dem Jahr 1936 und wurde wohl von
der Lufthansa ausgegeben. «Die Tüte wurde kürzlich im Internet für
230 Euro verkauft, da habe ich mich schon gewundert», sagt der
Maschinenbauingenieur.

Früher habe er auch mal Münzen gesammelt, doch das habe ihm keinen
Spaß gemacht, berichtet Lang. «Ich sammele nur Sachen, mit denen kein
anderer was anfangen kann», sagt der Lockenkopf lächelnd. So besitzt
er neben seiner Spuckbeutel-Kollektion mehr als 800 Motivdosen von
Erfrischungsgetränken. Die erste Tüte nahm er bei seinem ersten
geschäftlichen Flug nach Abu Dhabi mit. Weil er diese zusammen mit
einigen weiteren als Erinnerung in seinem Büro drapierte, kam eines
Tages ein Kollege und übergab ihm gleich sechs Tüten auf einmal mit
dem Kommentar: «Du sammelst doch.»

Fortan hielt Lang verstärkt Ausschau nach den Spuckbeuteln und
bekam immer mal wieder ein Exemplar von Kollegen. So richtig begann
die Sammelleidenschaft aber erst, als der Maschinenbauer im Jahr 2004
einen eigenen Internet-Anschluss bekam. «Da habe ich festgestellt,
dass es weltweit noch viel mehr Sammler gibt», erinnert sich Lang.
Heute pflegt er Kontakte mit Gleichgesinnten in Alaska, England und
Japan. Sein Ziel: Wie für Briefmarkensammler den Michel-Katalog, soll
es bald ein Verzeichnis für Spucktütensammler geben. Das ehrgeizige
Projekt hat er zusammen mit Thorsten Hecht aus dem bayerischen
Uettingen gestartet. Dabei werden auf einer Internetseite akribisch
auch Farbunterschiede und Abweichungen bei den Logos der
Fluggesellschaften festgehalten.

Die Airlines sind den Sammlern übrigens keine große Hilfe, weiß
Lang. Sie antworteten kaum auf die Bitte nach Spucktüten, etwas
kooperativer sind die großen Hersteller, von denen einer in Heilbronn
sitzt. «Die schicken manchmal ein paar Tüten zu». Was Lang und seine
Kollegen jedoch noch mehr ärgert, ist die Schlichtheit mancher
Spucktüten, speziell bei nordamerikanischen Fluglinien. Diese haben
nach seiner Auskunft vielfach kein Airline-Logo mehr, sondern sind
vom Design her neutral.

Richtig Spaß macht ihm dagegen, was deutsche Fluglinien ihren
Passagieren für den Fall von Reiseübelkeit bereitstellen. «Die sind
richtig kreativ», freut sich Lang und zeigt ein Modell in Neongelb
mit dem Spruch: «Brechen sie mit der Konkurrenz, fliegen sie mit
uns!». Auf einer weiteren prangt schlicht der Slogan «Alles muss
raus.»

Besonders groß sind die Tüten nach Erfahrung Langs auf
Kreuzfahrtschiffen. Doch auch außerhalb von Flugzeugen und Schiffen
tauchen die Beutel auf. Ein deutscher Verlag etwa wirbt damit und der
Aufschrift «Wenn Sie sich über ihren Chef schon immer mal auskotzen
wollten …bitte sehr» für ein neues Buch. Und beim Tauschen kam Lang
zu einem Exemplar, das aus nicht ganz geklärtem Grund bei einem
Konzert der Rockgruppe «Grateful Dead» ausgegeben wurde.

Sobald er von seinem ungewöhnlichen Hobby erzählt, hat er die
Lacher auf seiner Seite. «Das Thema ist immer für mindestens eine
halbe Stunde Gesprächsstoff gut», sagt er grinsend. Auch Langs Enkel
findet Opas Hobby super. Weltrekordhalter ist übrigens aktuell ein
Holländer mit rund 8000 Tüten. «Das interessiert mich aber überhaupt
nicht, ich will die Gaudi dabei haben», kommentiert Lang den Eintrag
im Guinness Buch der Rekorde.

ddp/rhb/ple – von Ralph Bauer





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