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Gefälschter Lebenslauf von SPD-Politikerin wirft Schlaglicht auf mangelnde Kontrollen

Sie hatte ihren Lebenslauf in weiten Teilen frei erfunden und war damit jahrelang durchgekommen: Die SPD-Politikerin Petra Hinz löst mit ihrem gefälschten Werdegang eine Debatte um die dürftigen Kontrollen in Deutschland aus. „Der Fall Hinz zeigt eindrücklich, dass es in Deutschland viel zu einfach ist, seinen Arbeitgeber und die Öffentlichkeit zu täuschen, was die eigenen Qualifikationen und Lebenslaufstationen angeht“, sagte Sebastian Okada, Leiter für Ermittlungen und Prävention von Wirtschaftskriminalität beim Sicherheitsunternehmen Corporate Trust.

Studien zu dem Thema kämen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass rund 20% bis 30% von Lebensläufen einzelne falsche Angaben enthielten.

„Diese zahlreichen Täuschungen sind nur möglich, weil hierzulande zu wenig Verifizierungen stattfinden“, sagte Okada. Bei Personen, die anders als Politiker nicht in der Öffentlichkeit stünden, werde noch seltener hingesehen. „Der Mangel an Kontrollen und Transparenz liegt im Wesentlichen an der bisherigen Kultur des blinden Vertrauens in Deutschland, die aber einfach nicht mehr zeitgemäß und professionell ist“, sagte Okada. Reputationsverlust und Beschädigung von Karrieren seien bei öffentlich gewordenen Fällen meist die Folge. „Die Arbeitgeber machen sich unnötig angreifbar.“

Überprüfungen von Werdegängen und Qualifikationen, auch genannt Pre-Employment Screenings, sind nach deutschem Recht erlaubt, wenn sie korrekt durchgeführt werden, unterliegen aber strengen Datenschutzvorschriften. „Wichtig ist es, dass die Überprüfung vor und nicht nach der Einstellung durchgeführt wird, dass der Kandidat dazu schriftlich eingewilligt hat und dass die Verhältnismäßigkeit bei der Recherche gewahrt wird“, betonte Okada.

Bei einem Pre-Employment Screening wird der tatsächliche Lebenslauf mit Hilfe öffentlich zugänglicher Informationsquellen wie staatlicher Register und kommerzieller Datenbanken zusammengetragen. Durch die Einwilligung des Kandidaten können zudem frühere Arbeitgeber und akademische Stationen kontaktiert und in Abstimmung mit dem Bewerber um Auskunft gebeten werden. „Meist hat der Bewerber ja ein ureigenes Interesse, den Wahrheitsgehalt seines Werdeganges nachzuweisen“, sagte Okada.

Der entscheidende Filter bei der Recherche sei der jeweilige Analyst, der die verschiedenen Teilinformationen aus Dutzenden Quellen zu einem Bild zusammensetzt und somit eventuelle kritische Lücken und Widersprüche aufdecken kann. „Für viele Arbeitgeber ist es wegen des Fachkräftemangels auch eine zunehmende Herausforderung, die zahlreichen Bewerbungen aus dem Ausland zu bewerten, da die dortigen Lebenslaufstationen für deutsche Personalabteilungen weniger durchschaubar sind als im Inland. Da stellt sich den Entscheidern oft einfach die Frage, ob es die angegebene Universität überhaupt gibt und wenn ja, welchen Ruf sie hat.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz, die in der Vergangenheit sogar Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses des Parlaments und damit einer seiner Kontrolleure war, hatte entgegen ihrer eigenen Angaben weder Abitur, noch ein Jura-Studium oder juristische Staatsexamina absolviert. Das bestätigte ihr Anwalt in einem veröffentlichten Schreiben. Zuvor hatten die Zeitungen WAZ und NRZ die Angaben der Politikerin kritisch überprüft.
Quelle: Corporate Trust, Business Risk & Crisis Management GmbH





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