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Evakuierungen aus dem Ausland

Der „arabische Frühling“ sowie der Tsunami in Japan 2011 haben gezeigt, dass Mitarbeiter deutscher Unternehmen, die im Ausland tätig sind, so stark durch politische Instabilität oder Katastrophen gefährdet sein können, dass sie evakuiert werden müssen. Hierfür sind nicht alleine Regierungen und Behörden, in erster Linie tragen die entsendenden Unternehmen die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter.

Große Konzerne wie auch mittelständische Unternehmen haben heutzutage einen weltweiten Beschaffungs-, Produktions- und Absatzmarkt. Dabei ist es meist unabdingbar, dass Mitarbeiter zu Kunden oder Lieferanten vor Ort reisen oder auch für längere Zeiträume in die Länder entsandt werden. Im Ausland besteht aber nicht nur die Gefahr durch Überfälle, Korruption oder Industriespionage, sondern auch durch politische Umstürze, Umwelt- und Naturkatastrophen, Terrorismus, Pandemien, Extremismus und bewaffnete Konflikte. Diese Risiken müssen die Unternehmen in ihren Notfallplänen berücksichtigen, weshalb auch eine Evakuierung der eigenen Mitarbeiter als eine Maßnahme vorgeplant werden sollte. Für Reiseveranstalter gilt selbiges. Reisegäste in einer Gefahrenlage nicht zu unterstützen bzw. zurückzulassen, bedeutet neben hohen finanziellen Einbußen auch einen großen Imageschaden, der nur schwer wieder gut zu machen ist.

Im Zuge des „arabischen Frühlings“ gerieten viele deutsche Staatsbürger durch die bewaffneten Konflikte direkt und indirekt in Gefahr. In Libyen wurden sie zwar durch die Bundeswehr evakuiert, was aber nur einen Teil der betroffenen Personen umfasste. Aus anderen Regionen, in denen die NATO keine Evakuierungsoperation durchführte, brachten Firmen in Eigenregie ihre Mitarbeiter aus der Gefahrenzone.

Die Lage in Ägypten kann immer noch nicht wieder als stabil bezeichnet werden, neue Unruhen können jederzeit ausbrechen (aktuell vor und während der Präsidentschaftswahlen). Auch der Tsunami und die darauf folgende nukleare Katastrophe in Fukushima/Japan, im Frühjahr 2011, waren Auslöser dafür, dass Firmen ihre Mitarbeiter innerhalb des Landes umsiedeln bzw. evakuieren mussten. Die Unternehmen waren gezwungen, völlig eigenständig und sofort zu handeln, weil es in diesem Fall keine militärische Evakuierungsoperation gab. Beide Beispiele zeigen, wie schnell und überraschend eine Evakuierung nötig sein kann – für eine Vielzahl deutscher Unternehmen.

Die Verantwortung, eigene Mitarbeiter aus einer Gefahrensituation in Sicherheit zu bringen, ergibt sich aus dem Arbeitsschutzgesetz. Hier ist in § 3 ArbSchG festgelegt, „dass es zu den Grundpflichten des Arbeitgebers gehört, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat für eine geeignete Organisation zu sorgen und die erforderlichen Mittel bereitzustellen sowie Vorkehrungen zu treffen, dass die Maßnahmen erforderlichenfalls bei allen Tätigkeiten und eingebunden in die betrieblichen Führungsstrukturen beachtet werden und die Beschäftigten ihren Mitwirkungspflichten nachkommen können“. Dies gilt für Beschäftigte im Inland wie im Ausland. Dabei ist die Evakuierung die als letzter Schritt zu treffende Maßnahme. Um eine schnelle und reibungslose Evakuierung durchführen zu können, sind bereits im Vorfeld eine Reihe von organisatorischen Maßnahmen durch das Unternehmen zu treffen:

– Im Notfallplan des Unternehmens muss eine Evakuierung von Mitarbeitern aufgenommen und geplant sein.

– Im Unternehmen muss eine Übersicht geführt werden, aus der erkennbar ist welche Mitarbeiter im Ausland tätig sind, wo diese sich befinden und wie sie erreichbar sind.

– Dem Sicherheitsverantwortlichen muss die aktuelle Lage in der jeweiligen Region bekannt sein und es muss eine Prognose für die weitere Entwicklung getroffen werden. Es reicht nicht, sich nur mit dem Aufenthaltsland zu befassen. Der „arabische Frühling“ hat gezeigt, wie schnell mehrere Länder durch einen Auslöser betroffen sein können.

– Den Mitarbeitern sind Handlungsanweisungen für den Krisenfall mitzugeben, damit sie richtig und im Sinne des Notfallplans des Unternehmens reagieren können.

– Es muss sichergestellt sein, dass sich die betroffenen Mitarbeiter über die Situation und Lageentwicklung informieren können. Anders herum muss für die Mitarbeiter die Möglichkeit bestehen, permanent einen Ansprechpartner im Unternehmen zu erreichen, um die eigene Einschätzung weiterzugeben. Eine Verbindung muss auch trotz Ausfall der Stromversorgung und der Kommunikationsnetze möglich sein, z.B. durch Satellitentelefon.



Im optimalen Fall wird die Lage zeitgerecht richtig beurteilt, so dass eine Rückholung vor dem Ausbruch der Gefahr vollzogen werden kann. Eine zu frühe Evakuierung ist für Unternehmen nachteilig, da sie zu Image- oder Auftragsverlusten führen kann. Im Krisenplan muss daher festgelegt sein, wie die Rückholung aus einer unmittelbaren Gefahrensituation zu bewältigen ist.

Eine Evakuierung ist eine komplexe Operation, zu der eine umfangreiche Planung gehört. Dies geht von der Anmietung von Luft- oder Wasserfahrzeugen über festzulegende Abholpunkte bishin zu geeigneten Transportmitteln für die Mitarbeiter zum Erreichen dieser Punkte und der Verständigung zu den geplanten Maßnahmen. Je nach Gefährdungslage ist über bewaffneten Schutz nachzudenken. Dieser Einsatz ist jedoch vorher mit dem jeweiligen Land abzustimmen und kann nur in Übereinstimmung mit den dort geltenden Gesetzen erfolgen.

Das Auswärtige Amt führt ein Lagezentrum und befasst sich mit der Krisenfrüherkennung. Über diese Behörde können auch Unternehmen Lageeinschätzungen zu Krisenländern erhalten. Diese offiziellen Einschätzungen unterliegen jedoch diplomatischen Restriktionen. Sie sollten daher durch zivile Länderinformationen oder Bewertungen von Sicherheitsspezialisten ergänzt werden. Dem Unternehmen sollte weiterhin bekannt sein, wer von staatlicher Seite der Ansprechpartner im Krisenland ist und welche Maßnahmen seitens der Bundesregierung getroffen werden. Eigene und staatliche Maßnahmen sollten aufeinander abgestimmt werden.

In den großen Konzernen ist die Sicherheitsabteilung für das Krisenmangement verantwortlich. Dazu gehört auch die Planung und Durchführung der Evakuierungen. Diese Unternehmen verfügen über die nötige Struktur und qualifiziertes Personal um dieses zu organisieren. Mitteleständische Unternehmen hingegen weisen in ihrer Unternehmensstruktur in den meisten Fällen keine Sicherheitsabteilung auf, müssen aber dennoch für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter sorgen. Für die Erstellung des Notfallplans und dessen Umsetzung im Krisenfall stehen ihnen daher externe Beratungsunternehmen zur Verfügung.

Quelle: www.corporate-trust.de





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