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Blinde Passagiere im Gepäck

Das Zimmermädchen fühlte sich nicht wohl. Sie zeigte Symptome einer Grippe – Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Doch Medikamente brachten keine Besserung. Die Ärzte wussten zunächst nicht weiter. Erst spät kam die rettende Diagnose: Malaria. Doch wo konnte sich die junge Frau angesteckt haben, war sie doch noch nie im Urlaub in einer tropischen Region. Des Rätsels Lösung: Die Frau arbeitete in einem Flughafen-Hotel in dem auch immer wieder Crew-Mitglieder von Fluglinien abstiegen, die Afrika als Zielort ansteuerten. Mit im Gepäck hatten sie lästige blinde Passagiere – Moskitos, die Malaria übertragen können.



„Krankheitserreger kennen keine Grenzen. Immer wieder gelangen sie aus tropischen Regionen in unsere Breiten“, weiß Ulrich Jander von der Gesellschaft zur Qualitätssicherung im Hotel (GQH). Gerade Flughafen-Mitarbeiter müssten mit einem gewissen Risiko leben, angesteckt zu werden. „Auch in Hotels in der Nähe von Flughäfen können unter Umständen diese Krankheitserreger lauern, wie das Beispiel zeigt.“ Die so genannte Flughafen-Malaria sei deshalb so gefährlich, weil die Krankheit oft nicht rechtzeitig erkannt werde. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Arzt nicht mit Malaria als Ursache rechnet, ist dann noch größer, wenn die Krankheit durch im Gepäck versteckte Moskitos übertragen wird“, so Jander. „Zum Beispiel wenn die ganze Flugzeug-Crew in einem Hotel absteigt, nachdem sie gerade aus einem Malaria-Gebiet kommt.“ Bei einem Test in einem Flughafen-Hotel habe ein Kammerjäger vor allem im Bereich der Matratzen und des Teppichbodens von Gästezimmern zahlreiche Krankheitserreger unschädlich gemacht.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor eingeschleppten Moskitos, die den Malaria-Erreger weiter tragen können. Auf der einen Seite seien in den vergangenen Jahren lediglich rund 90 Fälle der Flughafen-Malaria bekannt geworden. Doch andererseits nehme die Gefahr, an Fughafen-Malaria zu erkranken, immer weiter zu, da es auch immer mehr Flugreisen gebe. Zumal damit gerechnet wird, dass durch die globale Klimaerwärmung auch die potenziellen Malaria-Gebiete größer werden. Die WHO hat deshalb schon vor Monaten Regierungen und Fluggesellschaften dazu aufgerufen, diese Gefahr ernster zu nehmen. Angesprochen fühlen sollten sich vor allem die Länder, in denen die Tropenkrankheit normalerweise nicht auftrete. In vielen Ländern mit Malaria-Risiko werden die Flugzeuge vor dem Boarding desinfiziert. Dies sei auch eine Möglichkeit für Hotels in der Nähe von Flughäfen, so Jander. „Zur Hysterie, wie beispielsweise zum Teil bei der Vogelgrippe, besteht absolut kein Anlass“, be-schwichtigt die Gesellschaft zur Qualitätssicherung im Hotel. „Doch man sollte sich auf jeden Fall des Risikos bewusst sein, wenn es auch minimal ist.“

Mehr Informationen unter:

www.GQH-Hotel.de





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